Der Hype um Progressive Web Apps: Was können die PWAs? 

Der Hype um Progressive Web Apps: Was können die PWAs? 
20. September 2018 Mustafa Mussa
Progressive Web Apps

Jeder hat schon davon gehört, aber nur wenige wissen wirklich etwas damit anzufangen. Die Progressive Web Apps (PWAs) erobern langsam aber stetig die Smartphones der Republik und überzeugen durch barrierefreien Zugang und sparsame Speichernutzung. Wir von bam! haben uns angesehen, was die PWAs wirklich können und in welchen Fällen sie Vorteile gegenüber responsiven Websites und sogar nativen Apps haben.  

Das sind Progressive Web Apps

Von den Funktionen her sind sich die herkömmlichen native App und die Progressive Web App sehr ähnlich. Die Unterschiede liegen vor allem im Zugriff, der Auffindbarkeit und der Installation. PWAs können fast alles, was „normale“ Apps auch können. Sie senden Push-Nachrichten, greifen auf Kamera und Mikrofon zu und kennen den Akkuladestatus. Einzig der Zugriff auf Daten wie Kontakte und Kalender sowie auf Telefoniefunktionen fehlt bislang. Genauso wie das native Gegenstück können PWAs auf dem Startbildschirm abgelegt werden.  

Google-Ingenieure prägten einst den Begriff der progressiven App. Im Vergleich zur mobilen Website hat die PWA den größeren Funktionsumfang und kann auch offline verwendet werden. Gerade diese beiden Punkte sind auch die größten Vorteile gegenüber mobil-optimierten oder responsiven Websites. Gleichzeitig ist die App auf Suchmaschinen genauso gut auffindbar wie eine Website und sticht dabei native Apps aus.   

Generell versprechen Progressive Web Apps eine Kombination der Vorteile aus Web App und Native App. Sie bieten umfangreiche Funktionen, gleichzeitig wird aber der Umweg über den offiziellen App Store oder Play Store bei Suche und Installation vermieden. Für Developer ist besonders wichtig, dass die PWAs auf verschiedenen Geräten und Betriebssystemen laufen und dadurch geringere Kosten bei der Entwicklung anfallen.   

 mobile app engagementQuelle: developers.google.com   

Beispiele für PWAs

Besonders Google und Microsoft pushen die Progressive Web App. Gerade für Microsoft ist der Schritt logisch, da der eigene Store nicht wirklich rund läuft, sodass Alternativen nötig sind. Für Windows 10 startete der Konzern vor kurzem eine ganze Reihe an PWAs, die „Apps erster Klasse“ werden sollen. Seit Ende April ist auch Twitter für Microsoft als PWA verfügbar. Der Kurznachrichtendienst bietet damit im mobilen Microsoft-Web identische Funktionen wie in der nativen App.  

Geprägt wurden die PWAs aber vor allem von Google und dem Mutterkonzern Alphabet. Google fördert die Technologie, obwohl sie eine Gefahr für den hauseigenen Play Store darstellt. Der Konzern hofft, dadurch sein Kerngeschäft stärken zu können. Im Webbrowser stehen deutlich mehr Möglichkeiten zur Analyse und Werbung bereit. Google als beliebteste Suchmaschine und Chrome als beliebtester Browser weltweit dürften daher am stärksten von einem Erfolg der PWAs profitieren. Das Engagement ist auch als Schlag gegen Apple zu verstehen, das sich gerne hinter seinem geschlossenen App Store verschanzt. Apple profitiert dabei davon, dass die Nutzer im Apple-Ökosystem „locked in“ – also eingeschlossen – sind, und der Wechsel zu einem anderen Betriebssystem oft den Verlust von bereits bezahlten Apps bedeuten würde oder zumindest einen großen Aufwand, diverse Apps neu zu suchen und zu installieren. 

Beispiele für Progressive Web Apps sind Ebay, Gmail oder die Washington Post. Die drei Dienste können über mobile Browser aufgerufen werden und funktionieren anschließend wie eine App. Sie können einfach über die jeweilige Website installiert werden. Warum die PWAs einen Mehrwert bieten, zeigt auch das Beispiel des Konzept-Phones Andromeda. Microsoft will dort mit den progressiven Apps eine Lücke an angepassten nativen Apps schließen. 

 Übersicht PWAs

 

Pwa.bar gibt einen Überblick über verfügbare PWAs. Viele große Firmen wie Facebook, Lotto oder die Financial Times machen mittlerweile mit.  

Entwicklung von PWAs

Die Programmierung von PWAs ist häufig weniger aufwendig und kostenintensiv als die einer nativen App. Gleichzeitig muss die Funktionalität im Vergleich zur klassischen Alternative nicht leiden. Die PWAs finden sich auf den Homescreens der Nutzer und senden sogar Pushnachrichten. Das große Plus der PWAs ist, dass sie plattformunabhängig funktionieren. So sparen Unternehmen Kosten bei der Entwicklung und Pflege. Da PWAs ähnlich wie Websites funktionieren, sind aus Nutzersicht außerdem keine Updates nötig, da die Website sich automatisch aktualisiert.  


 

Auch aus Marketingsicht können PWAs Sinn ergeben. Im Gegensatz zu nativen Apps tauchen die Inhalte auch in der Google-Suche auf. Ihr Angebot ist dadurch deutlich einfacher zu finden und kann auf eine höhere Reichweite und Conversion hoffen.
Generell unterscheidet sich die Architektur von Website, PWA und nativer App. Es empfiehlt sich daher, die Progressive Web App komplett neu zu programmieren, um den Kundenbedürfnissen gerecht zu werden. In vielen Fällen ist es aber auch möglich, die bestehende Homepage Schritt für Schritt in eine PWA umzuwandeln. Dafür gibt es mittlerweile relativ einfache Anwendungen wie den PWA-Builder von Microsoft. Auch wir von bam! helfen Ihnen dabei gerne 

Wann lohnen sich PWAs?

Noch bieten PWAs nicht den vollen Funktionsumfang von nativen Apps und die Funktionen unterscheiden sich je nach Browser. Der Zugriff aufs Adressbuch oder die Telefoniefunktion fehlt beispielsweise noch. Es ist aber davon auszugehen, dass die Funktionalität in naher Zukunft noch besser werden wird. Ein weiteres Problem ist die geringere Bekanntheit des Angebots im Vergleich zu den zertifizierten Apps aus dem App Store oder Play Store.  

Sinn ergeben die PWAs beispielsweise für kleine Shop-Betreiber und generell für Apps, die sich gegenüber den Marktführern schwer behaupten können. Kunden, die nur vereinzelt bei einem Anbieter einkaufen, werden vermutlich keine native App herunterladen, möglicherweise aber die PWA nutzen. Die Progressive Web App macht damit auch insbesondere für Händler ohne natives Angebot Sinn.  

Generell sollten sich aber alle Entwickler mit den PWAs auseinandersetzen. Gerade Google pusht deutlich in Richtung webbasierter Angebote. In den kommenden Monaten und Jahren dürften diese einen deutlichen Auftrieb erhalten. Aktuell kommen die meisten Publisher aber noch gut ohne die PWAs aus.  

Fazit

Progressive Web Apps haben das Zeug zur App der Zukunft und gerade durch die Unterstützung von Google und Microsoft könnten sie nativen Apps demnächst ernsthafte Konkurrenz machen. Noch sind die Bekanntheit und damit auch der Handlungsdruck gering. Dennoch sollten Sie sich rechtzeitig mit dem Thema beschäftigen. Wir von bam!interactive beraten Sie gerne dabei. Sprechen Sie uns einfach an!