Amazon Alexa vs. Google Assistant: Welcher Sprachassistent ist besser?

Amazon Alexa vs. Google Assistant: Welcher Sprachassistent ist besser?
16. August 2018 Mustafa Mussa

Der Markt für Sprachassistenten ist hart umkämpft. Doch nicht nur aus Kundensicht macht die Wahl des smarten Voice Assistant einen Unterschied. Auch Entwicklern und Werbetreibenden bieten sich je nach System andere Möglichkeiten. Gleichzeitig müssen sie entscheiden, auf welchen Devices und Systemen sie aktiv werden wollen. Mit Amazon, Google, Apple und Microsoft kämpfen die großen globalen Player um Anteile und sind dabei unterschiedlich erfolgreich. Wir von bam! geben einen Überblick über die Marktsituation und vergleichen die beiden größten Wettbewerber Amazon Alexa und Google Assistant aus Sicht von Entwicklern und Marketing.

Marktübersicht

Aktuell dominieren Amazon und Google den Markt der Sprachassistenten deutlich. Gerade die Smart Speaker Amazon Echo und Google Home sind der Konkurrenz weit enteilt. Laut einer Schätzung von Strategy Analytics kommen die beiden Marken bei intelligenten Lautsprechern weltweit auf 70,1 Prozent Marktanteil. In Deutschland liegt dieser Wert sogar bei 93 Prozent. Apples Home Pod mit Siri ist in Deutschland erst kürzlich gestartet, dürfte sich mit hohem Preis und schwacher Spracherkennung gegen die Platzhirsche aber schwertun. Microsoft arbeitet noch an einem eigenen Smart Speaker für seine Assistentin Cortana.

Gleichzeitig wird es für Unternehmen, Entwickler und Werbetreibende immer wichtiger, das Thema Voice im Auge zu behalten. 20 Prozent der Deutschen nutzen für Suchanfragen laut ZVEI bereits heute Spracherkennung, wobei der Wert laut ComScore 2020 weltweit bei 50 Prozent liegen soll. Dies wird sich auch auf den Umsatz im Voice Commerce auswirken, der bis 2022 alleine in den USA von heute 2 Milliarden auf dann 40 Milliarden Dollar steigen dürfte, wie OC&C Strategy Consultants prognostiziert.

Allerdings können Händler und Developer für Voice Assistants nicht einfach bestehende App-Konzepte kopieren. Sprache funktioniert an anderen Touchpoints, und sie erfordert häufig ein anderes Denken, da Menschen anders sprechen als schreiben. Flapsige Kommentare sind schwerer zu erkennen als ein geschriebener Satz. Skills für Voice müssen deshalb häufig von Grund auf neu gedacht werden.

Was genau möglich ist, hängt sowohl von der Sprachassistenten-Software als auch vom Gerät selbst ab. Noch viel stärker als am Bildschirm-Device kommt bei Smart Speakern der Gatekeeper-Effekt zum tragen und Anbieter wie Amazon kontrollieren, was Dritte per Alexa Skill zur Verfügung stellen können. Umso wichtiger ist es für Entwickler die Unterschiede der relevanten Angebote zu erkennen. Wir von bam! interactive zeigen, bei welchen Funktionen Amazon Alexa vorne liegt und wo der Google Assistant punkten kann. Wir testen dafür Sprachverständnis, Systemoffenheit, Smart-Home-Kompetenzen und Möglichkeiten im Commerce.

Die Smart Speaker von Amazon dominieren den Markt. Quelle: Amazon

Sprachverständnis

Grundlage der Arbeit mit Sprachassistenten ist, wie gut diese den Nutzer verstehen – sind es wirklich vollständige Sätze? Oder aber reagiert der Sprachassistent nur auf bestimmte Schlüsselwörter innerhalb der Sätze, versteht aber den Zusammenhang nicht? Je besser das Sprachverständnis funktioniert, desto kompliziert können auch die Skills sein. Denn für Skills-Anbieter ist es wichtig, dass der Voice Assistant die Mehrzahl der Fragen beantworten kann und nicht nur sagt: „Sorry, das weiß ich leider nicht.“ Stone Temple Consulting testete kürzlich das Sprachverständnis der gängigsten Assistenten mit 25.000 Fragen. Der Assistant von Google konnte dabei deutlich mehr Fragen beantworten als die Konkurrentin von Amazon. Auf dem Smartphone beantwortete der Google Assistant ganze 80 Prozent der Anfragen, während Alexa nur auf 50 Prozent kommt. Auch bei der Qualität der Reaktionen liegt Google vorne und konnte im Test häufiger die richtige Antwort geben. Beim Sprachverständnis hat der Google Assistant aktuell also die Nase vorne. Letzter in der Untersuchung war übrigens der Home Pod von Apple.

Smart Home

Eines der vielversprechendsten Anwendungsfelder der Sprachassistenten sind vernetzte Häuser. Vor allem Smart Speaker, die im ganzen Haus installiert werden, bieten dafür Chancen. Mit ihnen können beispielsweise Licht, Musik und Alarmanlage gesteuert werden. Dabei sind deutlich mehr Geräte mit Amazons Alexa kompatibel als mit dem Google Assistant. Die Zahl der kompatiblen Geräte ist für viele Anwender ein entscheidender Faktor. Zudem können Amazon-Geräte einfach zu Gruppen zusammengeschlossen werden. Gibt es viele Amazon Echos, Echo Dots, Echo Looks oder Echo Shows in einem Raum, kommunizieren diese relativ problemlos. Sowohl Amazon als auch Google unterstützen zudem die Plattform IFTTT (if this, then that), die auch die Vernetzung von smarten Geräten ermöglicht, die ansonsten nicht miteinander kommunizieren. Ein großer Teil der Smart-Home-Welt ist heute aber noch auf intelligente Fernsehgeräte beschränkt. Beim Smart TV bietet der Google Assistant mehr Möglichkeiten als der Konkurrent. Er unterstützt YouTube und Netflix, während Alexa auf das Fire-TV-Gerät limitiert bleibt. Beide Systeme bieten also ihre individuellen Vorteile im vernetzten Zuhause, wobei Amazon mit der Vielzahl an kompatiblen Geräten leicht in Führung liegt.

Der Google Home mini ist das Äquivalent zum Amazon Echo Dot. Quelle: Google

Voice Commerce

Der Handel beobachtet die Entwicklung im Voice-Sektor aufmerksam. Die Sprachassistenten bieten Chancen, aber auch Risiken. Beispielsweise werden Amazon und Google durch ihre Assistenten zukünftig einen viel stärkeren Einfluss darauf haben, welche Marken der Kunde kauft.

Der Startvorteil beim Voice Commerce lag ganz klar bei Amazon. Hinter dem Online-Händler steht ein riesiges Angebot an Produkten, das bereits seit langem über den Sprachassistenten Alexa eingekauft werden kann. Drittanbieter blieben allerdings bei Alexa oft außen vor, da eine offizielle Schnittstelle für die Bezahlung per Sprachbefehl fehlte. Manche Firmen wie MyTaxi fanden dennoch bereits früh eine Lösung für den Voice Commerce, indem der Alexa Skill einmalig mit dem in der MyTaxi-App vorhandenen Kundenkonto verknüpft werden musste, um danach eine Taxi per Sprache bestellen zu können. Einen weiteren Schub für den Voice Commerce zudem bald geben: Amazon hat den Start von Amazon Pay für Drittanbieter von Alexa Skills noch in diesem Jahr angekündigt. Ebenfalls spannend für den Voice Commerce: Alexa hält durch Partnerschaften u.a. mit BMW nun verstärkt auch Einzug in die Bordsysteme von Autos – hier dürfte es bald ebenfalls spannende Use Cases geben, z.B. ein Location-based Shopping entlang der geplanten Fahrstrecke.

Google verfolgt im Voice Commerce eine andere Strategie, zumal das Unternehmen selbst nicht als Händler aktiv ist: Grundlage dafür sind Partnerschaften mit Anbietern wie Otto oder Zalando in Deutschland bzw. Walmart, Target oder Whole Foods in den USA. Über die Funktion „Transactions“ können Drittanbieter einen eigenen Kaufprozess integrieren. Das ist nicht nur für Händler spannend, sondern bspw. auch für Mobilitätsanbieter: So zählten Flixbus und Car2Go im März 2018 zu den Launch-Partnern von Transactions in Deutschland. Ebenfalls spannend beim Google Assistant: Drittanbieter können dort das im Juni 2018 auch in Deutschland gestartete Google Pay für den Checkout nutzen. Wichtiger Pluspunkt für Google: Die Transactions laufen nicht nur auf dem Google Home, sondern auch auf Millionen von Android-Smartphones, auf denen der Google Assistant ebenfalls integriert ist.

Offenheit

Spannend, gerade aus Entwicklersicht, ist es, inwiefern die Assistenten auf verschiedenen Geräten funktionieren und welche Freiheiten die Entwickler bei den Skills haben. Amazon ist im Vergleich zu Google deutlich restriktiver. Google-Suchen auf Amazon Echo sind beispielsweise nur über Umwege möglich. Auch Angebote wie YouTube finden sich nicht auf Geräten, die von Amazon Alexa unterstützt werden. Amazon nutzt seine Funktion als Gatekeeper, um das eigene Angebot zu stärken. Entwickler müssen dafür unter Umständen auf gewisse Funktionen verzichten und auch Werbetreibende haben durch strenge Vorgaben wenig Freiheiten. Google ist in diesem Fall deutlich offener. Der Suchmaschinen-Riese erlaubt auch die Installation von Alexa auf Geräten mit dem Google-Betriebssystem Android und bietet auch ansonsten mehr Freiheiten. Googles Ansatz unterscheidet sich dabei von Amazon. Während Amazon Voice als Weg sieht, das eigene Shopping-Angebot zu fördern, verdient Google sein Geld größtenteils mit Werbung. Selbstverständlich ist aber auch Google ein starker Türsteher, der gerade im Voice Commerce Einfluss auf die Produktauswahl nehmen kann.

Fazit

Sowohl Amazon als auch Google bieten mit ihren Sprachassistenten ein gutes und umfassendes Angebot. Die Unterschiede liegen daher eher im Detail. Während Google bei der Spracherkennung und mit dem generellen System punktet, liegen Amazons Stärken beim größeren Angebot für Smart Home und Voice Commerce.

Planen Sie und Ihr Unternehmen einen Einstieg ins Voice-Segment, sollte Alexa Ihr Einstieg sein, da Amazons Sprachassistentin immer noch deutlich Marktführerin ist. Da Google aufholt und ein gutes Angebot bietet, sollten Sie aber auch den Google Assistant nicht vernachlässigen. Haben Sie Fragen zum Thema Voice und Skills, helfen wir von bam! Ihnen gerne weiter. Sprechen Sie uns einfach an!