Ein Licht geht auf: das Geschäft mit den vernetzten vier Wänden

Ein Licht geht auf: das Geschäft mit den vernetzten vier Wänden
21. Februar 2019 Mustafa Mussa
Smart Home

Vom Bürosessel per Smartphone dem Paketboten bei der Zustellung der Amazon-Lieferung auf die Finger gucken, auf dem Nachhauseweg das Wohnzimmer vorwärmen oder automatisch per App die Tür öffnen – die Vernetzung hat längst auch die eigenen vier Wände erreicht.

Smart Home – so der Überbegriff für vernetzte Geräte zur Steuerung, Kontrolle und Regelung diverser Funktionen im Haushalt – ist mittlerweile ein Milliardenmarkt. Sprachassistenten, die auf Befehl das Licht ein- und ausschalten, Fragen beantworten und Musik abspielen, sind dank Amazon Alexa, Google Home oder Apple Homepod derzeit die Markttreiber. Doch smarte Geräte können viel mehr als das. Richtig eingerichtet und verwaltet können vollautomatische Abläufe, die an den Gewohnheiten des Nutzers ausgerichtet sind, das Leben in den eigenen vier Wänden komfortabler, effizienter und zum Teil auch günstiger machen.

Ikea Smart Home

Bild: Ikea

Smart Home und die Möglichkeiten für Unternehmen

Für Unternehmen bieten Smart-Home-Lösungen völlige neue lukrative Absatzkanäle, Zugang zu einem nie dagewesenen Datenschatz und völlig neue Interaktionsmöglichkeiten mit der eigenen Zielgruppe.

Was vor wenigen Jahren größtenteils noch Experimentierfeld von Startups war, ist mittlerweile ein höchst interessanter Massenmarkt, den auch die großen Konzerne und mittelständische Unternehmen ins Auge gefasst haben. Amazon meldete Anfang 2019 über 100 Mio. verkaufte smarte Lautsprecher. IKEA hat mittlerweile ein smartes Lichtsystem im Angebot, das sich über eine hauseigene App steuern lässt sowie über die gängigen Sprachassistenten. Das Sortiment wird aktuell um smarte Steckdosen und smarte Jalousien ergänzt.

Zu den Pionieren im Geschäft mit App-gesteuerten Thermostaten gehört die Münchner Firma tado, an der u.a. Siemens beteiligt ist. Die Telekom und RWE bieten mittlerweile eigene Hardware und zentrale Schaltzentralen für das gesamte Smart Home an und schaffen damit völlig neue Ökosysteme für Anwendungen, Services & Dienstleistungen von Drittanbietern. Und das Berliner Startup Tink will zu einer Art “Amazon für Smart-Home-Produkte” werden: Mit einer eigenen Vergleichs- und Verkaufsplattform für Produkte rund um das vernetzte Zuhause will Tink eine gewichtige Rolle im Markt spielen.

Die Hardware wird immer günstiger, die Nutzung immer einfacher und die Sicherheit immer besser. Doch der Datenschutz ist immer noch ein großer Hemmschuh für viele Nutzer. Sprachassistenten wie Amazons Alexa Amazon und der Google Assistant spielen zwar eine immer zentralere Rolle, doch es gibt nach wie vor viele Insellösungen und (noch) nicht das eine, große Betriebssystem fürs Smart Home. Besonders erfolgreich sind Geräte, die sich auf einzelne Funktionen beschränken, z.B. vernetzte Lampen wie Philips Hue oder Lautsprecher wie der Amazon Echo.

Smart und umsatzstark

Weltweit werden laut Statista Smart Home Report mittlerweile rund 63 Mrd. Euro im Markt umgesetzt, davon sind smarte Haushaltsgeräte mit einem Umsatzanteil von 19 Mrd. Euro vor den Segmenten Vernetzung und Steuerung sowie Gebäudesicherheit der größte Umsatztreiber. Bis 2023 soll sich das weltweite Marktvolumen auf knapp 132 Mrd. Euro mehr als verdoppelt haben, so die Prognose. Doch der Verkauf von vernetzten Geräten zur Hausautomatisierung an private Endnutzer – sogenannte Stand-Alone-Lösungen – macht nur einen kleinen Teil des Smart-Home-Geschäfts aus: Umsatztreiber sind vor allem integrierte Smart-Home-Lösungen, die ganze Häuser mit beliebig vielen Geräten und Sensoren miteinander vernetzen.

Statista Smart Home Pro und Contra

Bild: Statista

Der durchschnittliche Erlös pro Smart Home im Segment Smarte Haushaltsgeräte liegt laut Statista Smart Home Report derzeit bei 302,73€. Die USA sind mit einem Umsatz von knapp 25 Mrd. Euro vor China, Japan, Deutschland und Großbritannien der größte Absatzmarkt für Smart Home. Im altersübergreifenden Durchschnitt nutzen laut den Marktforschern von Deloitte schon 16 Prozent der Deutschen Smart-Home-Angebote.

Im neuen bam!-Büro macht zum Feierabend übrigens auch nicht mehr der letzte Mitarbeiter das Licht aus, sondern das smarte Lichtsystem von Philips Hue.