iOS 12: Was sich bei Apple für Entwickler ändert

iOS 12: Was sich bei Apple für Entwickler ändert
5. Juli 2018 Mustafa Mussa

Das Highlight der Entwickler-Konferenz WWDC war Anfang Juni sicherlich die Vorstellung des neuen Betriebssystem iOS 12. Mit Apples neuem Betriebssystem kommen gleich eine ganze Reihe von Änderungen auf Entwickler und Nutzer zu. iOS 12 soll iPhones und iPads in erster Linie schneller und bedienerfreundlicher machen, doch auch technisch ist die neue Software spannend. Wir von bam! interactive haben uns angesehen, welche seiner Versprechen Apple hält und wie der aktuelle Stand der Veröffentlichung ist.

Roadmap

Seit kurzem ist die Beta-Version von iOS auch öffentlich erhältlich, nachdem sie zuvor schon einige Wochen exklusiv für Mitglieder im Entwickler-Programm verfügbar war. Durch den öffentlichen Beta-Test stellt Apple sicher, dass das System vor dem offiziellen Start auf einer Vielzahl von Geräten getestet wird. Wie die Installation funktioniert, erklärt dieser Link. Wenn Sie selbst die Beta-Version testen wollen, empfehlen wir, dass Sie vor dem Test auf jeden Fall alle Ihre Daten sichern sollten. Denn bei der Beta-Version ist nicht garantiert, dass bereits alles reibungslos läuft.

Vermutlich ab September wird die zwölfte Generation des Apple-Betriebssystems dann öffentlich verfügbar sein. Bis dahin haben Unternehmen Zeit, ihre Apps auf den aktuellen Stand zu bringen. Die aktuelle Beta-Version läuft zwar bereits jetzt relativ stabil, bis zum öffentlichen Start wird sich aber mit Sicherheit noch einiges ändern. Das Betriebssystem wird ab Herbst auf allen 64bit-kompatiblen Geräten laufen. Bei Apple sind das alle nach 2013 ausgelieferten Produkte. Das umfasst alle Modelle vom iPhone 5s aufwärts, sowie alle iPad-Modelle ab dem iPad mini 2. Alle Geräte, die bereits iOS 11 unterstützen sind damit auch mit der neuen Version kompatibel. Ältere Geräte gehen hingegen leer aus. Entwickler sollten bis zum offiziellen Start mit iOS 12 vertraut sein. Während neue Android-Updates meist wenig Eile erfordern, wird iOS 12 wohl bereits nach wenigen Wochen auf der Mehrheit der neueren iPhones und iPads laufen. Denn im Gegensatz zu Android, wo die Updates oft nur schleichend eine gewisse Reichweite erhalten, ist das Update auf iPhones und iPads der Standard.

Bedienerfreundlichkeit

Mit iOS 12 werden die iPhones und iPads nicht nur schneller, sondern bieten auch an vielen anderen Stellen eine bessere User Experience (UX). Eine spannende Neuerung sind Siri-Shortcuts, die vielen Anwendern das Leben vereinfachen könnten. Einfache und vorher festgelegte Sprachbefehle können bei iOS 12 eine ganze Reihe von Aktionen auslösen. „Ich fahre jetzt nach Hause“ kann in Zukunft bedeuten, dass das iPhone den Routenplaner startet, eine Nachricht an die Familie schickt oder die Heizung daheim hochfährt. Wie gut die Shortcuts funktionieren werden, hängt auch von der Vorarbeit der Entwickler ab, die Funktionen für Siri bereitstellen müssen. Während Siri technisch weiterhin hinter Amazons und Google Sprachassistenten zurückbleibt, sind die Shortcuts jedenfalls eine sinnvolle Ergänzung.

siri shortcuts

Quelle: apple.com

Auch gruppierte Benachrichtigungen können Nutzern das Leben vereinfachen. Apple will damit die Zeit der Notification-Flut beenden und folgt dem von Android bekannten Modell. Benachrichtigungen werden damit nicht mehr einzeln und chronologisch angezeigt, sondern nach Apps geordnet und sortiert. Für Entwickler ändert sich dadurch vorerst nicht viel, sie sollten aber im Kopf behalten, dass viele Benachrichtigungen derselben App trotzdem nur noch an einer Stelle auftauchen werden.

Ein Trend im mobilen und sozialen Business ist es derzeit, dem Nutzer Wahlmöglichkeiten zu geben. Auf Facebook und Instagram sollen User künftig sehen können, wie lange sie online waren und sich so angeblich vor ihrer Smartphone-Sucht schützen. Auch Apple macht bei diesem Trend mit und führt eine ähnliche Funktion namens „Screen Time“ ein. Zusätzlich sollen Höchstnutzungsdauern für bestimmte Bereiche eingeführt werden können, was beispielsweise für Eltern mit Kindern interessant sein kann. Dass die Nutzungszeiten der Apps dadurch einbrechen, ist aber eher nicht zu erwarten.

Screen Time

Quelle: apple.com

 

 

Geschwindigkeit

Eines der Highlights von iOS 12 wird vor allem die Nutzer freuen. Das Betriebssystem läuft deutlich schneller als seine Vorgängerversionen. Die Kamera soll um 70 Prozent schneller starten und auch die Tastatur wird 50 Prozent schneller auf dem Bildschirm erscheinen. Wenige Monate nachdem bekannt wurde, dass Apple alte iPhones wie das iPhone 5, das iPhone 6 und einige iPhones 7 absichtlich ausbremst, ist das Software-Update ein Schritt in die andere Richtung. Während die Unterschiede auf dem iPhone X oder iPhone 8 kaum zu spüren sein dürften, können sich vor allem die Nutzer älterer iPhones freuen.

Augmented Reality

Die erweiterte Realität (AR) ist einer der größten aktuellen mobilen Trends. Doch nicht nur Samsung, Facebook und Snapchat investieren in die Technik, sondern auch iOS 12 wartet mit einem völlig überarbeiteten ARKit auf und bietet deutlich erweiterte Möglichkeiten. Das ARKit 2 ermöglicht beispielsweise das Spielen über mehrere Geräte hinweg. Das AR-Gaming wird damit auch ein gemeinschaftliches Erlebnis. Auch die Gesichtserkennung und die Erkennung von 3D-Objekten funktioniert mit der neuen AR-Technik besser. Eine neue vorinstallierte App ist „Messen“, wobei die iPhone-Kamera im iOS 12 die Länge von Objekten in der Umgebung automatisch ermitteln kann. USDZ heißt zudem ein völlig neues Dateiformat für die Augmented Reality, das Apple gemeinsam mit dem Animationsfilmstudio Pixar erfunden hat. Nutzer können damit Inhalte wie Bilder und Text relativ einfach in AR-Umgebungen einfügen. Als „offenes Format“ funktioniert das AR-Dateiformat auch im Web u.a. auch von Adobe Photoshop unterstützt werden.

Auch beim maschinellen Lernen (ML) macht Apple mit iOS einen kleinen Sprung nach vorne. Core ML 2 macht das Machine Learning auf mobilen Apple Devices um 30 Prozent schneller und verringert die Größe von Modellen um 75 Prozent. Bereits die Vorgängerversion von Core ML erlaubte Entwicklern die Verwendung von On-Device-Modellen für das maschinelle Lernen und steht in Konkurrenz zu Googles ML Kit. Auch bei Core ML 2 sind die Neuerungen keine Revolution, sondern eher ein Update der Vorgängerversion.

 

augmented reality

Quelle: apple.com

Apple Pay wird tauglich für die Girocard

Besonders für den deutschen Markt spannend sind die Änderungen beim Bezahlsystem. Fast vier Jahre nach der US-Einführung von Apple Pay schafft das API „PKPaymentNetwork“ die Voraussetzung, das künftig auch deutsche Girocards verwendet werden könnten. Denn Apple Pay unterstützt künftig auch die Zahlungssysteme V-Pay bzw. Maestro, die bei deutschen Girocards zum Einsatz kommen. Jedoch handelt es sich bislang nur um eine technische Grundlage. Eine offizielle Bestätigung für einen Deutschlandstart von Apple Pay steht weiter aus, zumal Apple Pay momentan nicht mal deutsche Kreditkarten unterstützt. Aber: In Deutschland sind die klassischen Girokarten immer noch deutlich beliebter als Kreditkarten. Apple schafft sich durch die Schnittstelle somit zumindest zeitweilig einen Vorteil gegenüber Google Pay, das gerade in Deutschland gestartet ist. Ob die deutschen Sparkassen, Volksbanken und Co. künftig tatsächlich mit Apple Pay kooperieren werden, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Solange sich die Banken sperren, wird Apple sein mobiles Zahlungsverfahren in Deutschland nicht im Alleingang ausrollen können.

Fazit

Apples iOS 12 ist keine Revolution, macht iPhones und iPads aber deutlich nutzerfreundlicher. User erhalten mehr Kontrolle über ihr mobiles Endgerät, das außerdem deutlich schneller läuft. Spannend sind für Entwickler die Neuerungen bei der Augmented Reality und die neuen Möglichkeiten bei Apple Pay.

Schon jetzt läuft die Beta-Version von iOS 12 relativ stabil. Wie viel sich daran noch ändern wird, bleibt abzuwarten. Spätestens im September sollten Entwickler sich dann aber mit dem neuen System angefreundet haben. Wir von bam! verfolgen die Entwicklung aufmerksam und helfen Ihnen bei Fragen gerne weiter. Sprechen Sie uns gerne an!