Die Rückkehr der QR-Codes: Darum liefert er diesmal einen Mehrwert

Die Rückkehr der QR-Codes: Darum liefert er diesmal einen Mehrwert
23. August 2018 Mustafa Mussa
QR Codes Comeback

Sie schienen schon verschwunden, doch QR-Codes erleben in den letzten Monaten und Jahren ein kleines Revival. Plötzlich finden sich die schwarzweißen Grafiken wieder auf Produkten oder Plakaten. Für Marketing, Payment und Logistik bieten die Codes tolle Möglichkeiten. Vor allem China mit seinem dominierenden Anbieter WeChat zeigt, was die Codes für ein Potenzial haben. Wir von bam! haben uns angesehen, warum es die schwarzweißen Muster bisher schwer hatten und welche Faktoren für ein erfolgreiches Comeback der QR-Codes sprechen.

Ein unerfülltes Versprechen

1994 begann Toyota seine Logistik mit den sogenannten „Quick-Response-Codes“, kurz QR-Codes, zu optimieren. Zweidimensionale schwarzweiße Muster stellen dabei Daten binär dar und Markierun

gen in drei von vier Ecken der quadratischen Matrix geben die Orientierung vor.

Gerade nach dem Start des Smartphones ab 2007 mit dem iPhone und zahlreichen Nachahmern waren die QR-Codes dann ein großes Versprechen. Sie sollten eine einfache Verbindung von analoger und digitaler Welt ermöglichen und Nutzer einfach auf weiterführende Websites schicken.

Allerdings scheiterten die Codes kläglich. Dies lag weniger an ihrem Potenzial, als an ihrer Umsetzung. Der Scan benötigte gewöhnlich eine extra zu installierende App und die Codes führten häufig auf nicht mobil-optimierte Startseiten von Unternehmen. Außerdem wurden die Codes inflationär an schwer scanbaren Orten wie etwa Autos angebracht und es dauerte teilweise ewig, bis die App ein Muster erkannte.

Für die Anwender zeigte sich entsprechend wenig Mehrwert und die QR-Codes blieben ein eher selten genutztes Nischenprodukt. Noch heute rümpfen viele Werbetreibende die Nase, wenn das Gespräch auf das Potenzial der zweidimensionalen Muster kommt. Dabei hat sich die Technik weiterentwickelt und wenn das Marketing den Nutzen erkennt, können QR-Codes einen echten Mehrwert für den Kunden bieten.

Integrierte Scanner

Eine der größten Hürden in der Anwendung gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Immer mehr Handy-Hersteller integrieren die QR-Code-Erkennung direkt in die Kamera. Apples iPhone-Kameras erkennen seit iOS 11 automatisch und in Echtzeit die Codes, wenn der Nutzer die Kamera-Funktion startet. Direkt in der Kamera wird anschließend der zugehörige Link angezeigt, der per Tippen geöffnet werden kann.

Auch Samsung und Huawei haben mittlerweile einfache Scanner an Bord. Beim südkoreanischen Hersteller Samsung gibt es seit 2016 eine Erweiterung für den Smartphone-Browser. Auch der Assistent Bixby von Samsung, der in Deutschland allerdings noch nicht verfügbar ist, kann die QR-Codes einfach erkennen.

Beim chinesischen Konzern Huawei läuft die Erkennung noch etwas komplizierter. Der User muss zunächst ein Foto vom Code machen. Anschließend kann er in der Galerie die Erkennung starten. Der Vorteil dabei ist, dass Codes auch später noch gelesen werden können. Der Nachteil ist, dass nur wenige Nutzer das machen werden.

Quelle: 9to5mac.com

Großes Potenzial

Ob Handel, Marketing oder Logistik: QR-Codes können fast überall eingesetzt werden. Während sie in der Logistik bereits fast ihr volles Potenzial entfalten, haben die beiden anderen Bereiche noch Nachholbedarf. Anbieter sollten die Codes zielgerichtet und kundenorientiert einsetzen, einen klaren Mehrwert bieten und diesen im besten Fall direkt neben dem Code erklären.

Im Marketing können die Codes zusätzliche Hinweise geben und dabei helfen, den Erfolg von analogen Kampagnen zu tracken. Ein gut sichtbarer und einfach zu scannender Code auf Flyer oder Plakat kann dem Anwender zusätzliche Informationen bieten. Möglich sind beispielsweise kurze Videos, mehr Bilder oder die Nährwertangaben einer angepriesenen Pizza. Auch direkt auf dem Produkt können sich Videos mit Aufstellungsanleitung des Sofas oder weiteren Angeboten wie bequemen Kissen oder Bezügen finden. Wichtig ist, dass die zusätzliche Information direkt mit dem Produkt zusammenhängt und aus Kundensicht Sinn ergibt.

Ein großer Mehrwert für Kunde und Verkäufer bietet sich auch im Handel. Beispielsweise umgeht Payback Pay auf dem iPhone die dort blockierte NFC-Schnittstelle und lässt seine Kunden bei Partnerhändlern wie etwa Rewe stattdessen per QR-Code bezahlen. Die Sparkasse wiederum bietet in ihrer App eine Funktion an, in der ein „GiroCode“ auf der Rechnung gescannt werden kann und der Kunde damit eine Bezahlung freigeben kann. Auch könnten Produkte im Supermarkt zusätzliche Informationen liefern und beispielsweise beim Selfscanning die Barcodes ablösen.

QR-Codes bieten nebenher noch eine ganze Reihe zusätzlicher und innovativer Anwendungsmöglichkeiten. Ein Beispiel ist die Schweizer Stadt Zug, die mit QR-Codes digitale IDs geschaffen hat. Dank diesen können sich Bürger identifizieren und beispielsweise an eVoting-Verfahren teilnehmen. Alles läuft bequem per App.

China als Vorreiter

Bestes Beispiel für den Einsatz von QR-Codes ist China. Katalysator dafür ist die Dominanz von WeChat im mobilen Bereich. Doch auch der generelle Einsatz unterscheidet sich und deutsche Firmen können hierbei viel lernen.

Mit QR-Codes ist in China quasi alles möglich. Gerade im eCommerce und Mobile Payment geht ohne QR-Codes im Reich der Mitte wenig. Viele Chinesen lassen ihre Geldbörse zuhause und scannen lieber mit ihrem QR-basierten WeChat Pay (manchmal auch WeChat Wallet genannt) an der Ladenkasse. Auch Alipay Wallet unterstützt eine ähnliche Funktion. Im Supermarkt oder Restaurant reicht dann ein einfacher Scan, um die Rechnung zu begleichen.

Quelle: clickz.com

Doch nicht nur zum Bezahlen nutzen die Chinesen QR-Codes. In vielen Shops findet sich neben Eingang oder Kasse gut sichtbar ein Code, der dazu aufruft, dem Unternehmen auf WeChat zu folgen. Das geschlossene und persönliche Umfeld des Netzwerks erlaubt eine besonders direkte Kommunikation und die QR-Codes sind der schnellste Weg, um ein direktes Engagement zu erreichen. Hinzu kommen QR-gestützte Marketingkampagnen, die besonderes Tracking ermöglichen und schwarzweiße Muster auf jeder Visitenkarte.

Der Erfolg in China liegt einerseits an der generellen Dominanz von Smartphones gegenüber dem Desktop. Andererseits wird das Konzept auch besser und ganzheitlicher umgesetzt. QR-Codes leiten Kunden direkt auf die passende Seite, sind einfach zu scannen und liefern Kunden einen echten Mehrwert. Einen großen Schub würde es in der westlichen Welt wohl auch geben, wenn große Anbieter wie WhatsApp die Technologie implementieren.

Das Modell der Zukunft?

Gerade im Payment und Marketing schlummern noch ungeahnte Potenziale. Werbetreibende müssen sich aber von dem Gedanken lösen, dass es ausreicht, die Codes einfach irgendwo zu platzieren und mit irgendeinem Link zu versehen. Eine durchdachte Strategie kann dagegen zum Erfolg führen. Beim mobilen Bezahlen müssen die QR-Codes zeigen, ob sie gegen NFC bestehen können. Wir von bam! verfolgen den Erfolg der QR-Codes schon seit seit den Anfängen genau. Wir sehen durchaus viel Potenzial in den schwarzweißen Mustern, die außerdem recht einfach und günstig eingesetzt werden können. Möchten Sie generell mehr wissen zum mobilen Marketing, helfen wir Ihnen gerne weiter.