Neues Medium, alte Leier: Mobile Ad-Block

Neues Medium, alte Leier: Mobile Ad-Block
24. September 2015 Mustafa Mussa
Ad-Blocker unter iOS 9

Vor rund einer Woche startete Apple das Rollout von iOS 9. Während sich die bisherigen Updates meist über eine Vielzahl von Funktionen definierten, wurde diesmal verstärkt auf die Systemoptimierung geachtet. Gänzlich frei von neuen Features kommt die neuste Version freilich nicht daher. Eine vermeintliche Kleinigkeit sorgt derweil für reichlich Wirbel: Ad-Block. Dabei ist das Thema an sich ein alter Hut.

APPLE ERLAUBT AD-BLOCK UNTER MOBILE SAFARI

Laut einer Apple Pressemitteilung befindet sich das Update nach kurzer Zeit auf mehr als der Hälfte aller iDevices weltweit. Jedoch sorgt es auch unabhängig von den genannten Änderungen für viel Aufsehen. Apple erlaubt ab sofort Ad-Block im hausgeigenen Mobile-Browser Safari. Dieser löste unter dem Deckmantel der Benutzerfreundlichkeit große Sorgen unter Werbetreibenden aus. Kaum ist iOS 9 erschienen, führen „Blockr“, „Peace: Block Ads and Trackers“ und „Crystal“ die Topcharts in Apples App Store an. Hat man sich einen dieser Ad-Blocker gekauft (Kaufpreis zwischen einem und drei Euro), lassen sich diese Apps als Erweiterung in den Safari-Einstellungen aktivieren. Nervige Banner, Pop-Ups, Interstitials und Social-Media-Buttons sind somit Geschichte.

MOBILE WERBUNG KOSTET VOLUMEN UND AKKU

Grundsätzlich das gleiche Prinzip, wie man es bereits am stationären Rechner kennt. Während die Werbeanzeigen am PC häufig „nur“ als störend empfunden werden, fließt für Mobile ein weiterer, schwerwiegender Faktoren mit ein. Bereits 2012 konnte die Purdue University belegen, dass kostenfreie Apps 65-75% der Akkuleistung nur für Mobile Werbung beanspruchen. „Es hat sich herausgestellt, dass kostenfreie Apps tatsächlich gar nicht kostenfrei sind, da sie versteckte Kosten in Form von verkürzter Akkulaufzeit enthalten“, erklärt Y. Charlie Hu,Professor der Universität Und auch wenn die Kosten für den mobilen Traffic zumindest hierzulande tendenziell sinken, könnte man das Argument der zusätzlichen Datenvolumen aufführen. Bis zu 2% des täglichen Datenverkehrs fallen laut Citrix für mobile Werbeanzeigen an (Stand Anfang 2014). Eine Zahl, die, angesichts des Trends zu Videowerbeformaten, bis heute gestiegen sein dürfte.

DER ZWEITÄGIGE LEBENSZYKLUS VON „PEACE“

Die von Apple eingeführte Erweiterung stellt ein zweischneidiges Schwert dar, schließlich finanzieren sich zahlreiche Geschäftsmodelle ausschließlich über solche Ads. „Während sie vielen Leuten eine Menge Vorteile bringen, fügen sie anderen Schaden zu, einschließlich derer, die das nicht verdient haben“, weiß Marco Arment. Der Entwickler ist zu diesem Thema derzeit in aller Munde. Mit seiner App „Peaece“ stand er rund 36 Stunden auf Platz 1 der umsatzstärksten Apps in Apples App-Store, ehe er seine Anwendung überraschenderweise nach zwei Tagen offline nahm. „Peace“ griff auf die schlanke Datenbank von der Browser-Erweiterung „Ghostery“ zurück, die in kurzer Ladezeit Werbung blockt und den Nutzer vor Tracking und Gefährdung der Privatsphäre schützen soll.

Mangelnder Zuspruch war es nicht, der Arment zu diesem Schritt bewegte. Viel mehr hadert der Programmierer mit sich selbst. Es fühle sich „einfach nicht gut“ an in diesem Business zu arbeiten, beschreibt er in seinem Blogartikel. Er verurteile aber niemanden, der in einer Branche arbeite, die er selbst als „eine Art Krieg“ bezeichnet. Die App wurde vom US-Amerikaner nach nur zwei Tagen komplett eingestampft, Apple hat bereits signalisiert, allen zahlenden Kunden den Kaufpreis komplett zu erstatten. Die Zahl der Käufer beläuft sich auf mindestens 13.000 Nutzer.

ENTWICKLER KRITISIERT UMGANG MIT MOBILE ADS

Zwar hält Arment Ad-Blocker nach wie vor für „notwendig“, als problematisch bezeichnet er jedoch die „Alles-oder-Nichts“-Herangehensweise, die in Bezug auf Werbeblocker herrscht. Man könne kaum eingrenzen, was genau wie blockiert werde. Häufig würden darunter Angebote leiden, die auf jene Werbeanzeigen angewiesen sind. Um diese Problematik anzugehen, sei ein „ nuancierter, komplexer Ansatz“ von Nöten, die mit einer simplen iOS-App aus seiner Sicht nicht möglich sei.

Erst zwei Tage zuvor erläuterte der Mitgründer von „Tumblr“ in einem Blogbeitrag, warum er überhaupt an „Peace“ arbeite. Darin kritisierte er, dass der Einsatz von Werbe-Ads und User-Tracking „außer Kontrolle“ geraten sei. „Sobald wir auf einen Link geklickt haben und unser Browser lädt, wird vom Publisher alles ausgeführt, an diesen transferiert und verfolgt. Unsere Daten, unsere Akkulaufzeit, unsere Zeit und Privatsphäre werden ohne Inanspruchnahme in einem Blankoscheck ausgestellt“. Arment vergleicht diese Tatsache mit dem Besuch in einem Restaurant, in der es keine Preise auf der Karte gibt, in der man am Ende aber jede Summe bezahlen müsse, die das Restaurant verlangt.

CNET VERSTEHT KEIN SPASS BEI AD-BLOCK

Wie könnte also eine Lösung aussehen? Das US-Magazin CNET zeigt sich konsequent und greift zu entsprechenden Maßnahmen. Jedem, der ein Ad-Block auf seinem Smartphone oder Tablet installiert hat, wiederfährt genau das, wofür er seine Erweiterung einsetzt: Er wird blockiert – zumindest erhält er nur noch eingeschränkten Zugriff, kann viele Inhalte nicht abrufen. Fraglich ist, ob man den erhofften Effekt bei seiner Leserschaft auslöst, zumindest für die eigene Anwendung den Blocker zu deaktivieren. Denn es wird sicher auch User geben, die ähnlich konsequent verfahren und schlichtweg auf das Angebot der Webseite verzichten – in diesem Falle von CNET.

SAME OLD STORY: WAS PUBLISHER BEACHTEN MÜSSEN

Vielmehr muss eine Lösung gefunden werden, mit der sich beide Seiten identifizieren und zufrieden geben. Hält man an Werbeformaten fest, die allseits als störrisch empfunden werden, darf man sich nicht wundern, wenn das Publikum dieser Werbung aus dem Weg gehen möchte. Wer sich mit Werbung finanziert, müsse den richtigen Content und die passende Form für sein Publikum finden, rät der Entwickler. Eine Herausforderung, der sich Publisher nicht erst seit dem Zeitalter des Mobile Web und erst recht nicht seit letzter Woche stellen müssen.

Auch die Organisation Werbungstreibende im Markenverband (OMW) bekräftigte auf der Dmexco vergangene Woche ihre Forderungen an die Marktpartner hinsichtlich der digitalen Vermarktung und pflichtet bei: „Medien müssen ihren Nutzern klar machen, dass ihre Angebote werbefinanziert sind und die Nutzer wiederum müssen diese Tatsache akzeptieren, wenn sie die Angebote weiter kostenfrei nutzen wollen. Vermarkter müssen ihr Inventar so einsetzen, dass die Seiten nicht mit Werbung überfrachtet sind. Und Werbungtreibende müssen ihren Beitrag leisten zu akzeptierter Digitalwerbung, die informativ, relevant und kreativ ist. Weitere wichtige Bausteine für mehr Qualität sind zum Beispiel Native Adertising, optimiertes Targeting sowie Frequency Capping.“

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Zahlen zum Ad-Block in Mobile @ a glance:

  • nach nur einer Woche läuft mehr als die Hälfte aller iDevices weltweit unter iOS 9 (52%, Stand 19.09.2015)
  • „Peace“ wurde am 16.09 eingeführt und am 18.09 bereist wieder eingestampft
  • „Peace“ war rund 48 Stunden online, davon 36 Stunden auf Platz #1 der Charts kostenpflichtiger Apps
  • mindestens 13.000 Nutzer sollen „Peace“ heruntergeladen haben
  • etwa 2% des täglichen Datenvolumens wird durch Mobile Werbung generiert
  • 65-75% der Akkulaufzeit von kostenfreien Apps soll einzig und allein Werbeanzeigen beanspruchen

Quellen: